B'Tselem-Bericht: Systematische Vertreibung im Westjordanland
15.09.2026, 19:12 Uhr
B'Tselem: Bericht wirft Israel systematische Vertreibung vor
Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem hat einen umfassenden Bericht mit dem Titel „The Elimination Project“ veröffentlicht. Darin wird der israelischen Regierung vorgeworfen, eine systematische Politik zur gewaltsamen Neuordnung des besetzten Westjordanlands zu verfolgen. Ziel sei es, die palästinensische Präsenz in weiten Teilen des Gebiets dauerhaft zu schwächen oder ganz zu beenden, um eine jüdische Vorherrschaft zu festigen.
Laut dem Bericht wurden seit dem 7. Oktober 2023 insgesamt 1.107 Palästinenser im Westjordanland durch Israelis getötet, darunter 245 Kinder. Die Organisation dokumentiert zudem die Vertreibung von 75 palästinensischen Gemeinden und rund 33.000 Menschen aus Flüchtlingslagern im Norden des Gebiets. Parallel dazu hätten Siedler durch neue Farmen und Außenposten die Kontrolle über etwa 18 Prozent des Westjordanlandes übernommen, oft mit direkter oder indirekter Unterstützung staatlicher Behörden.
B'Tselem identifiziert fünf zentrale Mechanismen, die für diese Entwicklung verantwortlich seien: physische Gewalt durch Siedler-Milizen, weitreichende Bewegungseinschränkungen durch hunderte neue Straßensperren, wirtschaftliche Kontrolle, Landbeschlagnahmungen und die Zerstörung ziviler Infrastruktur. Diese Maßnahmen würden nicht isoliert voneinander wirken, sondern als koordiniertes System zur Zerschlagung der palästinensischen Gesellschaft dienen.
Die Geschäftsführerin von B'Tselem, Yuli Novak, bezeichnete die Situation bei der Vorstellung des Berichts in Jerusalem als eine „Katastrophe vor den Augen der Welt“. Die Organisation betont, dass diese Politik bereits vor dem Amtsantritt der aktuellen Regierung unter Benjamin Netanjahu begann, sich jedoch seit Ende 2023 massiv verschärft habe. Der Bericht stützt sich unter anderem auf Daten der Vereinten Nationen und eigene Untersuchungen vor Ort.