Venedig: Gaza-Doku „NAZA“ über israelische Militärpraktiken ausgezeichnet
14.09.2026, 06:32 Uhr
Gaza-Doku „NAZA“ gewinnt Preis in Venedig: Kritik an Militär-Systemen
Der Dokumentarfilm „NAZA“ der Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor ist bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet worden. Das Werk basiert auf Aussagen von 24 Angehörigen des israelischen Militärs und Geheimdienstes. Es thematisiert die systematische Zielauswahl und die Kalkulation ziviler Opfer bei Angriffen im Gazastreifen. Der Begriff „NAZA“ beschreibt dabei laut den Filmemachern eine im Militärapparat genutzte Kennziffer für die Anzahl an Zivilisten, deren Tod bei einem Angriff vorab als „Kollateralschaden“ in Kauf genommen wird.
Die Dokumentation zeigt auf, dass zivile Opfer oft bereits vor den Angriffen berechnet wurden. Befragte Geheimdienstoffiziere gaben an, teilweise in Echtzeit gewusst zu haben, dass sich ganze Familien in den anvisierten Gebäuden befanden. In einigen Fällen sei die Tötung von bis zu 500 Zivilisten für ein einziges militärisches Ziel freigegeben worden. Ein Beteiligter schilderte, dass er trotz der akustischen Wahrnehmung von weinenden Babys oder Gebeten über Überwachungssysteme die Freigabe zur Bombardierung erteilte, da das Ziel die Zerstörung gewesen sei.
Die Auszeichnung löste scharfe Reaktionen in der israelischen Politik aus. Kulturminister Miki Zohar bezeichnete den Film als „verabscheuungswürdig“ und drohte damit, den Filmemachern die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Yuval Abraham kritisierte bei der Preisverleihung zudem die Unterstützung der militärischen Operationen durch die USA und Europa. Der Film erhielt bei seiner Premiere in Venedig langanhaltende stehende Ovationen und gilt als wichtiges Zeugnis über die technisierte Kriegsführung in Gaza.